Regionale Galerie Liberec

Die Geschichte der Regionalen Galerie Liberec reicht bis in die ersten Jahre nach dem zweiten Weltkrieg zurück. Bereits am 19. September 1945 wurde im Nordböhmischen Gewerbemuseum zum Zwecke der Zukunftssicherung und Bewahrung der bildkünstlerischen Sammlungen ein Kuratorium eingerichtet. Das Kuratorium legte die verwaltungsorganisatorische Eingliederung der Galerie in die Museumsinstitution fest, beschloss jedoch gleichzeitig, dass die bildkünstlerischen Sammlungen von nun an in einem eigenständigen Gebäude aufbewahrt werden sollen. Zeitgleich fing der Grafikkünstler und großer liberecer Patriot Jaro Beran an, nach dem Schicksal der während des Krieges verborgenen bildkünstlerischen Sammlungen zu fahnden, und wurde durch den damaligen Kurator mit der Aufgabe beauftragt, zu Zwecken deren weiteren Zukunftssicherung, sorgfältigen Aufbewahrung sowie Präsentation nach geeigneten Räumlichkeiten zu suchen. Ein Jahr später, also zu Beginn des Jahres 1946 wurde für diese Zwecke das Gebäude des ehemaligen Liebig Palastes in unmittelbarer Nähe des liberecer Schlosses ausgewählt, wo die Regionale Galerie Liberec bis zum letzten Februar des Jahres 2014 ihren Sitz hatte.

Geschichte der Galerie

Seit dem Jahr 1949 war das Nordböhmische Museum, beziehungsweise die Liberecer Galerie, eine vom Bezirk Liberec getragene Einrichtung. Im Jahr 1953 wurde sie  im Zuge der Erschließung eines vom Staat getragenen Netzwerkes staatlicher Galerien zu rechtlich eigenständiger Institution. Zum ersten Direktor wurde der damalige Sammlungsdirektor und Grafikkünstler Jaro Beran ernannt. Im Jahr 1958 löste ihn die junge Historikerin PhDr. Hana Seifertová ab, die sich nicht nur um zahlreiche bauliche Anpassungen des Galeriegebäudes und den Aufbau der wertvollen Sammlung der niederländischen Malerei des 16. – 18. Jahrhunderts verdiente, sondern vor allem um die äußerst positive Wahrnehmung der Galerie nicht nur bei den kunstkundigen Experten und Künstlern, sondern insbesondere bei der breiten Öffentlichkeit. Dank des unter ihrer Führung breitgefächerten Ausstellungsprogrammes entfaltete sich die liberecer Galerie nicht nur in den Augen der breiten Öffentlichkeit rasch in eine sehr angesehene Institution. Regelmäßig wurden bedeutende Bildhauer-Präsentationen (z.B. die legendäre Ausstellung Die Staute und die Stadt, 1969) sowie Ausstellungen junger bildender Künstler ins Programm aufgenommen, die aus politischen Gründen aus den prager Ausstellungssälen verbannt wurden. Doch dieses Bürgerengagement wurde Frau Seifertová angesichts der damaligen politischen Situation schließlich zum Verhängnis. Im Jahr 1970 wurde sie von der Stelle der Direktorin suspendiert.

In den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts übten die Funktion des Direktors  zuerst  Vladimír Volšička und später Věra Pavlišová aus. Die Aktivitäten der Galerie wurden ebenso wie die der anderen Kultureinrichtungen politisch scharf unter die Lupe genommen und zensiert. Dementsprechend musste die Ausstellungstätigkeit an den damals üblichen Konsens angepasst werden und „politisch unschädlich“ sein. Doch auch in diesen kulturell eher grauen Zeiten, gab es ab und zu eine Ausnahme und es wurde eine Ausstellung mit durchaus gewagten originellen Weltansichten ausgetragen.

Zu bewegendem Wandel kam es nach der Wende im Jahr 1989. Gleich im nächsten Jahr wurde PhDr. Věra Laštovková zu Direktorin ernannt und bekam somit die herausfordernde Chance, das Image der Galerie in den folgenden Jahren von Grund an neu zu gestallten. Gemeinsam mit der damaligen Kuratorin Mgr. Eva Výtisková bemühte sie sich vor allem darum, das hohe Aufbewahrungsniveau der anvertrauten Sammlungen nachhaltig zu pflegen sowie darum, den Besuchern ein möglichst breitgefächertes und hoch qualitatives Ausstellungsprogramm anzubieten. Im  Jahr 1991 wurde die Regionale Galerie Liberec, wie auch weitere tschechische und mährische sammlungsaufbauenden Institutionen, in die vom Kultusministerium der Tschechischen Republik bezuschusste Organisation umgewandelt. Ein Jahr später wurde sie Mitglied des im Zuge der Bemühungen um eine intensivere fachliche Zusammenarbeit gegründeten Verbandes der Galerien der Tschechischen Republik mit dem Namen „Rada galerií České republiky“. In den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die liberecer Sammlungen in das beim Kultusministerium der Tschechischen Republik geführte zentrale Sammlungsregister (CES) eingetragen. Es handelt sich im ein öffentlich zugängliches Verzeichnis des mobilen Kulturerbe-Bestandes der Tschechischen Republik.

Im Jahr 2001 kam es zu einer weiteren legislativen Änderung: Die meisten Kultureinrichtungen wurden vom Kultusministerium der Tschechischen Republik an die nun verwaltungsmäßig neu entstehenden Bezirke übertragen und Regionale Galerie Liberec wurde am 1. Oktober 2001 zur einzigen sammlungsaufbauenden Kunsteinrichtung des Bezirkes Liberec. Ende des Jahres 2013, bzw. zu Beginn des Jahres 2014  wurde der Sitz der Galerie in ihre neuen Räumlichkeiten, in das Gebäude des ehemaligen städtischen Kurbades an  Masarykova Straße verlegt. Am 28. Februar 2014 wurde die Galerie an der neuen Adresse zum ersten Mal für die Öffentlichkeit eröffnet. Gleichzeitig verließen die letzten Bestände definitiv den ehemaligen Sitz in Liebig Palast.  Hand in Hand mit der ersehnten Verlegung der Galerie in Ihren neuen würdigen Sitz ging auch die offizielle Namensänderung der Institution einher: Von nun an trägt sie den Namen Regionale Galerie Liberec, bezuschusste Organisation.

Das städtische Kaiser-Franz-Josef Kurbad

Bauherr des städtischen Kurbades war die Finanzinstitution Reichenberger Sparkasse, die die Bauabsicht bereits seit dem Jahr 1896  hegte. Doch die definitive Entscheidung das städtische Kurbad zu bauen fiel erst im Jahr 1898 an, am 50. Jahrestag der Herrschaft des Kaisers Franz-Josef I. Das künftige Bad wurde zum Anlass dieses Tages errichtet, wie die Gedenktafel an der Frontansicht bis heute erinnert.    

Das von dem Wiener Architekten Petr Paul Brang projektiertes Gebäude wurde mit Verzögerung erst in den Jahren 1899-1902 erbaut. Der Absolvent der Wiener Akademie der bildenden Künste Petr Paul Brang (1852–1925) entwarf außer des liberecer Kurbades  auch das Gebäude des Kurbades in Ústí nad Labem, das Theater in Žatec und Děčín, die Kurpromenade in Jánské lázně (Johannisbad), sowie einige Administrationsgebäude auf dem Gebiet der damaligen Österreich-Ungarischen Monarchie.

Das Kurbad in Liberec diente vorrangig der hygienischen Körperreinigung. Zu Zeiten seiner Entstehung war ein häusliches Bad noch längst keine Selbstverständlichkeit, daher nahmen einen nicht geringen Teil der Räumlichkeiten auch öffentliche Badebecken der II.-III. Klasse ein. Darüber hinaus beherbergte das Kurbad auch ein römisch-irisches Dampfbad, Duschbäder, ein Kohlenstoffbad, Ruheräume, Toiletten einschließlich notwendiger Anlagen. Im Flügel entlang der Vítězná Straße befand sich ein 20x10 Meter großes Schwimmbecken.  Brang entwarf den Bau im geschichtswürdigen Stil: Von außen verzieren das Gebäude das Sandsteinstatue-Paar Poseidon, Nephritis und das Sandstein-Wasserspiel-Relief, beides aus dem Atelier des Professoren der Liberecer Industrieschule Emanuel Gerhart. Der Giebel wird mit stolzem Bronzeaufschrift „KAISER FRANZ JOSEPH BAD“ geschmückt. Kaiser Franz-Josef I. besichtigte das Kurbad im Jahr 1906 im Rahmen seines Besuches der Deutsch-Tschechischen Ausstellung in Liberec. Das Bad Interieur wurde zur Entstehungszeit durch Wandmalereien mit Blumenmotiven oder Szenen der Körperreinigung verziert. Die extra für das Bad angefertigten Boden- und Wandfliesen wurden von der renommierten Firma Villeroy & Boch hergestellt und geliefert. Die Badebecken sowie der zugehörige Warteraum strahlten puren Luxus aus.

Bis zu der Eröffnung des neuen Schwimmstadions am Platz Tržní náměstí im Jahr 1984 war das Kurbad das einzige Hallenbad in ganz Liberec. Diese Tatsache schlägt sich auch in den festgehaltenen Besucherzahlen nieder, die bereits nach den ersten 25 Betriebsjahren die ehrwürdige Zahl 2 578 619! erreichten. Seit dem Jahr 1984 verfiel das Gebäude jedoch auf Grund seiner kostenintensiven Instandhaltung unaufhaltsam. Im Jahr 1990 wurde es im Zuge der Restitution an die Gesellschaft Česká spořitelna (Nachfolgeinstitution der Gesellschaft Reichenberger Sparkasse) zurückgegeben. Damals wurde das Bad noch von breiter Öffentlichkeit genutzt. Im nächsten Jahr verkaufte die Gesellschaft Česká spořitelna das Bad erstmals in private Hände. Innerhalb der nächsten drei Jahre wechselte es insgesamt dreimal den Eigentümer. Interessanterweise erwarb der erste Eigentümer das Gebäude im Rahmen der sog. Coupon-Privatisierung für 8 150 000 KCZ, der dritte Käufer in Folge musste für den Kauf jedoch stolze 70 000 000! KCZ auf den Tisch legen.  Seit 1994 gehörte das Kurbad der später in Insolvenz geratenen Gesellschaft MONA AG. Die Stadt Liberec selbst wurde zum Eigentümer erst im Jahr 2005, als sie das stark verfallene Besitztum für 9 000 000 KZC im Konkursverfahren erwarb. Die Stadtverwaltung führte sodann die notwendigen Rettungsmaßnahmen durch und begann mit die Suche nach geeigneter Gebäudenutzung, die im Jahr 2009  mit dem Abschluss eines Abkommens zwischen der Stadt Liberec, dem Bezirk Liberec und der Regionalen Galerie Liberec über die zukünftige Nutzung des ehemaligen Kurbades zu Ausstellungszwecken erfolgreich zu Ende geführt worden ist.

Das Projekt zum Umbau des städtischen Kurbades zu Ausstellungszwecken wurde in den Jahren 2009–2010 von liberecer Architektur- Atelier Sial unter der Leitung des Hauptarchitekten Jiří Buček und des Hauptingenieurs Karel Novotný  ausgearbeitet. Die eigentlichen Umbauarbeiten wurden im September  des Jahre 2011 aufgenommen und im Juni 2013 zum erfolgreichen Ende geführt. Die Regionale Galerie Liberec übernahm das Objekt am 1. September 2013 zur Miete und eröffnete ihre Tore nach der Verlegung der Sammlungen und  Einrichtung neuer Expositionen am 28. Februar für die Öffentlichkeit. Das Projekt des Umbaus zur Ausstellungszwecken wurde finanziell von der Europäischen Union (85 %) und dem Bezirk Liberec (15 %)  getragen.

Das vom Architektenbüro Sial ausgearbeitete Projekt des Umbaus des städtischen Kurbades  wurde im Jahr 2013 mit dem Hauptpreis „Grand Prix“ des vom Verband der Architekten der Tschechischen Republik ausgetragenen Wettbewerbes ausgezeichnet. Das neuangebaute Galerie-Depot gewann zugleich den ersten Preis des Architekten-Vereines „Klub za starou Prahu“ als der gelungenste, im historischen Umfeld realisierte Neubau des Jahren 2013 (frei aus dem Buch von Marek Řeháček,  Lázně, Proměna libereckých Lázní na kulturní a společenské centrum, 2014 in Liberec).

Villa von Johann Liebig Junior

Von der Gründung in den ersten Nachkriegsjahren bis zum 28. Februar 2014 war die Regionale Galerie Liberec in dem ehemaligen Familienanwesen von Johann Liebig Junior (1836-1917), Sohn des Begründers der berühmten liberecer Textil-Großunternehmer Dynastie, ansässig. Der sogenannte Liebig Palast entstand in den Jahren 1871-1872 in unmittelbarer Nähe des liberecer Schlosses durch den umfangreichen Umbau eines älteren Hauses von Ferdinand Röhmfeld. Der Umbau wurde nach den Plänen von Gustav Sacher (1831–1874), Absolvent der Bayerischen Akademie der bildenden Künste und Besitzer einer der größten liberecer Baufirmen, durchgeführt. Gustav Sacher war Autor oder Bauherr zahlreicher geschichtsprächtigen Bauten in Liberec und Umgebung, die das Stadtbild bis heute prägen und der Stadt einen besonderen historischen Charme verleihen.  

Der prunkvolle Renaissance- Palast von Johann Liebig Junior besteht aus vier Flügeln, angeordnet um einem zentralen Hofplatz mit angeschlossener Sala Terrena, die den direkten Zugang zu den anliegenden Garten ermöglichte. In dem Garten mit zum Teil bis heute erhaltener ursprünglicher Bepflanzung  befindet sich eine kleine Gartenlaube. Zu dem angesehenen Anwesen gehörten damals noch weitere Bauten hinzu – das Haus des Gärtners, der Kutschenraum sowie ein Treibhaus.

Nach dem Tod des Johannes Liebig Junior ging die Villa an seine Kinder über und wurde  nicht mehr von der Familie bewohnt, sondern zu Mietzwecken genutzt. Vom 1946 bis zum Februar 2014 diente sie zur Ausstellungszwecken und beheimatete die Regionale Galerie Liberec (Frei nach dem Text von Petra Šternová für das Buch „Slavné vily Libereckého kraje“, Foibos, 2008).