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Heinrich von Liebieg Kunstsammler und Mäzen

28. 2. 2014 Ausstellungsort Dauerasstellung Kurator Zuzana Štěpanovičová

Den Kernbestand dieser Sammlung bildet das einzigartige private Vermächtnis des großzügigen Mäzen, Kunstsammlers und Mitgliedes des Ehrenkuratoriums des Nordböhmischen Gewerbemuseums, Großindustriellen Heinrich Liebig (1839-1904), das im Laufe der Jahre um weitere (aus den Mitteln des Liebig-Fonds finanzierten) Anschaffungen der Stadt Liberec, des liberecer Museums und seit der Erlangung ihrer Eigenständigkeit im Jahr 1953 auch um eigene Erwerbe der Regionalen Galerie Liberec kontinuierlich erweitert wurde.

Die Bilder der deutschen Autoren stellen einen repräsentativen Querschnitt durch die Entwicklungstendenzen der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Mehrzahl der Werke stammt aus den Ateliers der in München studierenden oder wirkenden Künstler. Die frühe Münchener Freilichtmalerei wird durch die Chiemsee-Bilder des Max Haushoffer repräsentiert. Die wertvollen Bilder mit figuraler Thematik des Realismus-Künstlers Wilhelm Leibl werden durch die Werke der Maler des sog. Leibl Kreises (Wilhelm Trübner, Johannes Sperl) ergänzt. Der Münchener Biedermeier–Genre wird durch Carl Spitzberg , der Psychologie-Genre durch Gabriel Max und Albert Keller repräsentiert, den Bauern-Genre vertreten die Werke von Franz Deffreger und Ernst Karl Georg Zimmermann,  den modern aufgefassten Tier-Genre wiederum die Werke von Henrich Zügel. Die Portraitmalerei wird durch die Gemälde von Franz Lenbach dominiert. Die Künstlerkolonie Dachau repräsentieren die Sezession Landschaften von Ludwig Dill. Die Düsseldorfer Schule lernt der Besucher anhand der Bilder von Andreas Achenbach, August Becher und Hugo Vögel  kennen. Eindrucksvoll wirken die Gemälde des in Berlin wirkenden Künstlers Adolf Menzel, unter Kennern „Das Auge Europas“ genannt, Carl Langhammer und Walter Leistikow.

Die österreichische Malerei wird  durch mehrere Autoren vertreten. Die größte Kollektion bilden hierbei die Werke von August Pettenkofen und Eduard Charlemont, der mitunter Heinrich Liebig beim Erwerb von Kunstwerken beraten hat. Des Weiteren zu sehen sind  Gemälde von Eugen Jettel, Rudolf Alt sowie Werke des thematisch vielseitigen Franz Rumpler. August Pettenkoffen ist als Mitbegründer des „Stimmungsimpressionismus“ bekannt, zu dessen wichtigsten Vertretern  Eugen Jettel und Franz Rumpler zählen. Die Werke von Eduard Charlemont reflektieren die damalige Begeisterung für alte, insbesondere niederländische Malermeister, bedingt durch deren Vorliebe für die Genremalerei, prächtige Farben und die Minutiuösität der Zeichnung. Er beteiligte sich unter anderem an der Schaffung der Wandmalereien im Burgtheater in Wien. Rudolf Alt stellt bis ins kleinste Detail realistische Panoramaansichten alter europäischen Städte und einzelnen Bauten dar.

Einen festen Bestandteil des Heinrich von Liebig Vermächtnisses bildeten auch insgesamt 32 Öl- sowie 5 Aquarellgemälde der französischen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts. In der Dauerausstellung  lernen die Besucher die Werke der Anhänger der sog. Schule von Barbizon sowie die insgesamt zehn Bilder umfassende Gemälde-Kollektion von Eugen Boudin kennen.

Die künstlerische Bewegung Schule von Barbizon wurde nach einem etwa 50 km südöstlich von Paris entfernten kleineren Ort namens Barbizon genannt. In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts setzte sich dort eine Gruppe von Landschaftsmalern nieder, die sich inmitten des Waldes von Fontainebleau um eine Neufassung der Natur in der bildenden Kunst bemühte. Die Künstler der Kolonie von Barbizon inspirierten sich bei der englischen und niederländischen Landschaftsmalerei; zum Kernmotiv machten sie den Wald und das Waldstillleben. Ihre Arbeiten fingen sie ‚en plein air' an und kamen nach und nach dazu über, ihre Kunstwerke ganz im Freien  zu schaffen. In Bezug auf das Licht bemühten sie sich um möglichst natürliche Lichtverhältnisse, oft  wählten sie indessen den die Illusion der Identität mit dem eigenen Sehen schaffenden niedrigen Horizont. Indem sie den natürlichen Landschaftsausschnitt in beliebigen Tageszeiten festhalten suchten, strebten sie ein realistisches „ Portrait der Natur“ an. Mit diesem Vorgehen taten die Anhänger der Schule von Barbizon den entscheidenden Schritt im Wandel der französischen Landschaftsmalerei in Richtung Realismus. Doch durch die gleichzeitige Lockerung der Malerhandschrift und die Festhaltung der Naturstimmungen näherten sie sich wiederum dem Impressionismus. Die Schule von Barbizon ist in der Regionalen Galerie Liberec z.B. durch die Gemälde  von Charles-Fracoise Daubigny, Narcisso Virgilio Díaz de la Peňa und Théodore Rousseau vertreten.

Die in den Sammlungen der Regionalen Galerie Liberec aufbewahrte Kollektion von insgesamt siebzehn Bildern des Eugen Boudin (1824-1898) ist nicht nur die im Bezug auf Bilderbestand zahlreichste außerhalb Frankreichs, sondern auch eine der wertvollsten überhaupt.  Eugen Boudin gilt als Meister der Stimmungswandlung auf der Küste von Normandie, Bretagne, aber auch in Belgien, in den Niederlanden und in Italien. Er ist einer der direkten Vorgänger des Impressionismus. Der Schriftsteller Charles Baudelaire widmete ihm 1859 eine lange und berühmte Passage in seiner bekannten Kritik Salon:„ Herr Boudin legt uns unheimliche Wasser – und Luftzaubereien vor... All diese farbenprächtige fantastische Formen, all die Satin roten oder lilafarbenen Himmel, die schwermütigen oder Metall strahlenden  Horizonte, all diese Tiefen, all diese Juwelen haben mich betört, wie ein Rauschtrank...“

Die Schule von Barbizon bahnte die Entstehung der individuell verschiedenen Typen der Landschaftsmalerei, regte  das Aufkommen des sog. Stimmungsimpressionismus auf dem Gebiet des heutigen Österreichs und Ungarn an und beeinflusste maßgeblich auch die tschechische Landschaftsmalerei, insbesondere das künstlerische Schaffen von Antonín Chitussi und  Wilhelm Riedl. Spürbar sind ihre Einflüsse zum Teil auch in den Werken von Karel Purkyně, Soběslav Pinkas a Václav Brožík.

 

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