Nach langjährigen Forschungen in in- und ausländischen Archiven hat die Bezirksgalerie Liberec in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Amt für Denkmalpflege eine einzigartige Präsentation des Schaffens der Mitglieder der bedeutendsten Vereine deutschsprachiger Künstler aus Böhmen, Mähren und Schlesien in den Jahren 1918–1938 vorbereitet. Die Sammlungen der deutschböhmischen bildenden Kunst in der Bezirksgalerie Liberec und der ausländischen Kunst in der Nationalgalerie in Prag ermöglichen zusammen mit Leihgaben aus in- und ausländischen Sammelinstitutionen und einer Vielzahl der Öffentlichkeit bisher unbekannter Werke aus Privatsammlungen den bisher umfassendsten Einblick in das immer noch zu wenig geschätzte Schaffen der „Deutschböhmen“ in der Zwischenkriegszeit.

Das Projekt basiert auf einer Auswahl von Werken, die in der Zwischenkriegszeit bei den Sammelausstellungen deutschböhmischer bildender Kunst im In- und Ausland gezeigt wurden. Diese Werke wurden gezielt gesucht, ihre Geschichte erforscht und sie selbst in den ihnen gebührenden Kontext gesetzt. Mit den entsprechenden Fakten machen der Katalog und die ausführlichen Werkbeschreibungen in der Ausstellung vertraut.

Das Schaffen der deutschsprachigen bildenden Künstler in der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit ist kein ganz neues wissenschaftliches Thema, aber es bleibt in vielerlei Hinsicht weiterhin unerforscht. Erstmals seit der heute bereits legendären Ausstellung Lücken in der Geschichte wird das Funktionieren der deutschen Kunstszene der 1920er und 1930er Jahre in der Tschechoslowakei umfassend präsentiert. So wirkte etwa der Metznerbund republikweit und vereinte die Mehrheit der deutschsprachigen Künstler seiner Zeit. Bei den Ausstellungen im Untersuchungszeitraum präsentierten sich außerdem weitere im In- und Ausland tätige deutschsprachige Künstler aus Böhmen, Mähren und Schlesien, beispielsweise die Mitglieder von Künstlervereinigungen wie Die Pilger, Oktobergruppe, Junge Kunst, Prager Secession, Vereinigung deutscher bildender Künstler Mähren und Schlesiens „Scholle“, Kunstring u. a.

Die Ausstellung zeigt die Realismen und Expressionismen der Zwischenkriegszeit in der ganzen Bandbreite ihrer heutigen Interpretation. Präsentiert werden Malerei, Plastik, Zeichnung, Graphik, Plakatkunst und in Auswahl auch Kunsthandwerk. Zur Ausstellung erscheint in tschechischer und in deutscher Fassung die wissenschaftliche Publikation eines Autorenkollektivs, die als logische Ergänzung der genannten Ausstellung in Liberec und ihrer geplanten freien Fortsetzungen dienen soll. Die Ausstellung zeigt ungefähr 220 Kunstwerke.

Kuratoren des Projekts sind Anna Habánová und Ivo Habán. Die Ausstellung soll 2014 an anderen Orten gezeigt werden, wobei die jeweils präsentierte Version den Schauräumen angepasst wird und in der Werkauswahl den Kontext des Ausstellungsortes zu berücksichtigen hat. Die Fortsetzung der Ausstellung im Isergebirgs-Museum Neugablonz wird vor allem die Regionen Reichenberg, Gablonz und die angrenzenden Gebiete des Isergebirges in den Blickpunkt rücken. Das Rückgrat der Ausstellung bilden Arbeiten aus den Sammlungen der Bezirksgalerie Liberec und des Isergebirgs-Museums, die um Werke aus tschechischem und deutschem Privatbesitz ergänzt werden.